Der Herbst hat für mich etwas ganz Besonderes. Die Tage werden langsam kürzer, morgens liegt vielleicht schon ein wenig Nebel über den Feldern und die Natur verändert sich beinahe täglich. Blätter verfärben sich, Früchte werden reif, die letzten Tomaten hängen im Garten und Kürbisse, Äpfel, Birnen und Nüsse finden wieder ihren Weg in unsere Küche.
Nach der Fülle des Sommers wird es langsam ruhiger.
Für mich ist der Herbst deshalb nicht nur eine Zeit der Ernte, sondern auch eine Einladung, wieder bewusster hinzuschauen: Was ist eigentlich alles da? Woher kommen unsere Lebensmittel? Was brauchen wir wirklich? Und können wir vielleicht wieder etwas dankbarer für all das werden, was für uns oft selbstverständlich geworden ist?
der Herbst erinnert ans loslassen
Wenn die Bäume ihre Blätter verlieren, geschieht das ganz selbstverständlich. Sie halten nicht daran fest, sondern lassen los und ziehen ihre Energie zurück.
Ich finde, darin steckt etwas unglaublich Schönes.
Auch wir dürfen uns im Herbst immer wieder fragen, was wir vielleicht loslassen möchten. Dinge, die wir nicht mehr brauchen. Gewohnheiten, die uns nicht guttun. Aber vielleicht auch den Gedanken, dass wir immer mehr brauchen, um zufrieden zu sein.
Gerade in einer Welt, in der uns ständig vermittelt wird, was wir noch kaufen, besitzen oder erleben sollten, kann die Natur ein wunderbarer Gegenpol sein.
Sie zeigt uns, dass nicht immer mehr notwendig ist.
Manchmal liegt die Fülle genau darin, wahrzunehmen, was bereits da ist.
Lebensmittel wieder mehr wertschätzen
Wir leben heute in einer Zeit, in der fast alles jederzeit verfügbar ist. Erdbeeren im Winter, Spargel im Herbst oder Früchte, die Tausende Kilometer gereist sind.
Dabei kann schnell verloren gehen, wie besonders Lebensmittel eigentlich sind.
Ein Apfel ist eben nicht einfach nur ein Apfel.

Da war zuerst ein Baum. Eine Blüte. Sonne und Regen. Insekten, die zur Bestäubung beigetragen haben. Erde, die den Baum versorgt hat. Menschen, die sich um ihn gekümmert und die Früchte geerntet haben.
Wenn wir beginnen, Lebensmittel wieder auf diese Weise zu betrachten, verändert sich etwas.
Aus etwas Alltäglichem wird plötzlich etwas Wertvolles.
Und genau das versuche ich auch unseren Kindern mitzugeben. Nicht mit langen Erklärungen oder erhobenem Zeigefinger, sondern indem wir gemeinsam hinschauen, entdecken und erleben.
woher kommt unser Essen eigentlich
Für Kinder ist es unglaublich spannend zu erleben, wo Lebensmittel herkommen.
Eine Karotte aus der Erde ziehen. Einen Apfel direkt vom Baum pflücken. Beobachten, wie aus einem winzigen Samen langsam eine Pflanze entsteht. Auf einem Markt sehen, welche Gemüse- und Obstsorten gerade Saison haben.
Solche kleinen Erfahrungen schaffen eine Verbindung, die kein Lehrbuch ersetzen kann.
Plötzlich kommt die Kartoffel nicht einfach aus einem Plastikbeutel im Supermarkt.
Sie ist in der Erde gewachsen.
Die Tomate hatte einmal eine kleine gelbe Blüte.
Und aus einem winzigen Kürbiskern kann eine Pflanze entstehen, die sich meterweit durch den Garten schlängelt.
Je mehr Kinder diese Zusammenhänge selbst erleben dürfen, desto selbstverständlicher kann auch die Wertschätzung für Lebensmittel wachsen.
alles ist miteinander verbunden
Was mich an der Natur immer wieder fasziniert, ist, dass nichts für sich allein existiert.
Pflanzen brauchen Erde, Wasser, Sonne und Insekten. Tiere finden Nahrung und Lebensräume in der Pflanzenwelt. Abgestorbene Pflanzenteile werden wieder zu wertvollem Boden. Und auch wir Menschen sind Teil dieses Kreislaufs.
Pflanzen, Tiere und Menschen sind miteinander verbunden.
Gerade für Kinder finde ich diesen Gedanken wunderschön.
Es geht dabei für mich nicht darum, ihnen Angst zu machen oder ihnen Verantwortung aufzubürden. Vielmehr möchte ich ihnen zeigen, wie faszinierend unsere Welt ist und dass wir ein Teil davon sind.
Wenn wir verstehen, dass unser Essen, unser Konsum und unser Umgang mit Ressourcen Auswirkungen haben, können bewusste Entscheidungen ganz natürlich entstehen.
Nicht aus Verboten.
Sondern aus Verbindung.
Dieses Bewusstsein Kindern spielerisch mitzugeben, liegt mir besonders am Herzen. Genau daraus ist auch mein Kinderbuch entstanden. Es lädt Kinder dazu ein, gemeinsam zu entdecken, wo unser Essen herkommt und wie Pflanzen, Tiere, Menschen und unsere Erde miteinander verbunden sind.
hier kannst du mein Kinderbuch entdecken
Naturkreisläufe gemeinsam entdecken
Wir müssen dafür nicht jeden Tag in den Wald fahren oder einen grossen Gemüsegarten besitzen. Oft reichen schon kleine Dinge im Alltag.
Gemeinsam saisonales Gemüse auf dem Markt aussuchen. Beim Spaziergang Kastanien und bunte Blätter sammeln. Einen Apfel aufschneiden und die Kerne betrachten. Gemüse selbst anbauen und wenn es nur Kresse auf der Fensterbank ist. Aus Gemüseresten eine Suppe kochen oder gemeinsam überlegen, was aus den Resten vom Vortag entstehen könnte.
Auch ein Kompost kann für Kinder unglaublich spannend sein: Aus unseren Küchenresten entsteht mit der Zeit wieder Erde, in der Neues wachsen kann.
Genau solche Erlebnisse machen Kreisläufe sichtbar und begreifbar.
Und ganz nebenbei entsteht etwas, das für mich viel wertvoller ist als theoretisches Wissen: eine Beziehung zur Natur.
bewusster Konsum beginnt nicht mit Perfektion
Bewusster zu konsumieren bedeutet für mich nicht, immer alles richtig machen zu müssen.
Auch wir kaufen Dinge, die wir vielleicht nicht unbedingt brauchen. Auch bei uns werden Lebensmittel einmal vergessen oder etwas landet im Abfall. Und natürlich kaufen wir nicht ausschliesslich Lebensmittel, die direkt neben unserem Zuhause gewachsen sind.
Es geht mir vielmehr darum, immer wieder innezuhalten.
Brauchen wir das wirklich? Können wir etwas verwenden, das schon da ist? Was hat gerade Saison? Können wir Lebensmittel vollständig verwerten? Können wir etwas reparieren, tauschen oder weitergeben, anstatt es neu zu kaufen?
Es sind diese kleinen Entscheidungen im Alltag, die mit der Zeit etwas verändern können.
Nicht aus Druck heraus, sondern aus Wertschätzung.
Dankbarkeit darf ganz einfach sein
Vielleicht müssen wir unseren Kindern Dankbarkeit gar nicht aktiv „beibringen“.
Vielleicht dürfen wir sie vielmehr gemeinsam leben.
Indem wir uns über den ersten Apfel vom Baum freuen.
Indem wir beim Spaziergang stehen bleiben und einen wunderschönen Herbstbaum bestaunen.
Indem wir gemeinsam kochen und wahrnehmen, wie viele verschiedene Lebensmittel vor uns liegen.
Oder indem wir am Abend erzählen, was heute schön war.
Dankbarkeit muss nichts Grosses sein.
Manchmal ist sie einfach dieser kleine Moment, in dem wir erkennen:
Es ist schon so vieles da.

der Herbst als Einladung
Der Herbst erinnert mich jedes Jahr daran, wieder etwas langsamer zu werden.
Zu beobachten.
Zu geniessen.
Dankbar zu sein.
Und vielleicht auch ein wenig bewusster mit dem umzugehen, was uns zur Verfügung steht.
Denn wenn Kinder erleben dürfen, woher Lebensmittel kommen, wie eng Pflanzen, Tiere und Menschen miteinander verbunden sind und wie wertvoll die Ressourcen unserer Erde sind, entsteht Bewusstsein nicht durch Verbote oder Regeln.
Es wächst.
Ganz ähnlich wie ein kleiner Samen, den wir in die Erde legen.
Wir können ihn begleiten, ihm Raum geben und immer wieder kleine Impulse setzen. Was daraus entsteht, darf sich mit der Zeit entwickeln.
Und vielleicht ist genau das eine der schönsten Aufgaben, die wir unseren Kindern mitgeben können:
die Welt nicht als selbstverständlich zu betrachten, sondern ihr mit Neugier, Dankbarkeit und Wertschätzung zu begegnen.
Wenn wir wieder sehen, wie viel in einem kleinen Samen steckt, wird aus Selbstverständlichkeit Dankbarkeit.
