Wenn Kinder wählerisch essen, Süssigkeiten erlaubt sind und wir Essen auch als Gefühl verstehen dürfen
Essen begleitet uns jeden Tag und doch ist es so viel mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es ist Kultur, Gewohnheit, Genuss, manchmal Trost und oft auch ein Spiegel unserer Beziehung zu uns selbst.
In unserer Familie gehen wir mit dem Thema Essen entspannt und liebevoll um. Ohne Druck, ohne starre Regeln, aber mit Bewusstsein und echtem Interesse daran, was uns gut tut.
Wenn Kinder wählerisch Essen: Druck rausnehmen statt kämpfen
Kinder haben Phasen, in denen sie bestimmte Lebensmittel ablehnen oder sehr wählerisch sind. Das kenne ich gut und ich habe für mich gelernt: Je mehr Druck entsteht, desto schwieriger wird es meistens.
Statt zu kämpfen, hilft es, das Thema möglichst leicht zu halten. Wir kommentieren Essen nicht übermässig, machen kein grosses Thema daraus und bieten Lebensmittel einfach immer wieder an. Manchmal in neuer Form, manchmal ganz anders zubereitet.
Was mir dabei wichtig ist: Kinder lernen auch durch Vorleben. Und ehrlich gesagt, wir Erwachsenen mögen ja auch nicht alles. Es darf also völlig normal sein, dass man etwas probiert, es nicht mag und das auch ehrlich sagen darf. Ohne Drama, ohne Bewertung.
Süssigkeiten verbieten oder begleiten ?
Ich persönlich halte wenig von strikten Verboten. Bei uns sind Süssigkeiten grundsätzlich nicht verboten, weil ich glaube, dass Verbote keinen gesunden Umgang fördern.
Gleichzeitig ist mir ein bewusster Umgang mit Zucker sehr wichtig. Ich merke bei unseren Kindern und auch bei uns Erwachsenen, wie stark Zucker wirken kann. Deshalb achten wir darauf, den Konsum insgesamt gering zu halten.
Unsere Kinder dürfen Süsses essen, wenn sie möchten. Das passiert allerdings eher selten und ganz bewusst, wenn sie danach fragen. Zum Beispiel als Dessert nach dem Mittagessen oder als Zvieri. Das ist für uns völlig in Ordnung.
Mir ist wichtig, dass sie lernen, selbst ein Gefühl dafür zu entwickeln:
Was tut mir gut? Wann habe ich wirklich Lust darauf? Und wie fühlt sich mein Körper danach an?

Ich erkläre ihnen auch, was Zucker im Körper machen kann. Nicht als Verbot, sondern als Verständnis.
Emotionales Essen verstehen statt bewerten
Das Thema emotionales Essen ist bei uns persönlich nicht stark ausgeprägt bei den Kindern. Sie haben andere, nicht unbedingt bessere, aber eigene Strategien, um mit ihren Emotionen umzugehen.
Bei uns Erwachsenen kommt es gelegentlich vor. Ich selbst tendiere eher dazu nichts zu Esse in emotionalen Situationen oder Zeiten. Trotzdem habe ich eine sehr klare Haltung dazu: Wir dürfen auf unseren Körper hören.
Ich glaube, jeder kennt diese Tage, die einfach „chaotisch“ sind und wenn dann eine Packung Kekse oder ein Stück Schokolade gut tut, dann darf das auch sein. Ohne schlechtes Gewissen.
Wichtig ist für mich vor allem, dass es nicht zur Gewohnheit wird, Emotionen ausschliesslich über Essen zu regulieren. Aber als Ausnahme, als Trostmoment oder einfach als kleine Unterstützung im Alltag, absolut in Ordnung.
ein liebevoller Blick auf die Ernährung
Am Ende geht es mir nicht um Perfektion. Nicht um Kontrolle. Und auch nicht um Verbote.
Sondern um eine liebevolle, bewusste und entspannte Beziehung zu Essen, bei Kindern und Erwachsenen.
Essen darf nähren. Essen darf Freude machen. Und manchmal darf Essen auch einfach nur gut tun und glücklich machen.
Disclaimer
Dieser Text spiegelt persönliche Erfahrungen und Gedanken wider und ersetzt keine ernährungspsychologische oder medizinische Beratung. Besonders beim Thema emotionales Essen kann es individuelle Unterschiede geben – wenn Essen stark zur Bewältigung von Emotionen genutzt wird oder Leidensdruck entsteht, kann professionelle Unterstützung hilfreich sein.
Eine entspannte Beziehung zu Essen entsteht nicht durch Regeln, sondern durch Vertrauen.
