Picky Eaters

„Mein Kind isst sowieso schon kaum etwas, wie soll das auch noch vegan gehen?“

Viele Kinder sind sogenannte Picky Eaters, sie essen nur eine kleine Auswahl an Lebensmitteln, lehnen Neues ab oder reagieren sensibel auf Konsistenz, Geruch oder Farbe. Kombiniert man das mit einer pflanzlichen Ernährung, tauchen bei Eltern schnell Unsicherheiten auf. Die gute Nachricht: Es ist machbar! Ohne Druck, ohne Machtkämpfe und ohne Nährstoff-Panik.


Was bedeutet „Picky Eater“ eigentlich ?

Picky Eating ist keine Krankheit, sondern ein Verhalten, das besonders häufig im Kleinkind- und Vorschulalter vorkommt. Typisch sind:

  • starke Vorlieben
  • Ablehnung von Gemüse oder „gemischten“ Speisen
  • Angst vor Neuem

Wichtig: Das ist entwicklungstypisch und in den meisten Fällen eine Phase.

Pflanzliche Ernährung trotz Picky Eating, geht das ?

Kurz gesagt: Ja.
Aber nicht mit Perfektionismus, sondern mit Strategie, Geduld und Vertrauen.

Eine gut geplante vegane Ernährung kann Kinder mit allem versorgen, was sie brauchen. Bei Picky Eaters geht es weniger um „perfekte Mahlzeiten“, sondern um:

  • regelmässige Nährstoffquelle
  • wiederholte, entspannte Angebote
  • eine positive Essatmosphäre

die häufigsten sorgen von Eltern

„Mein Kind isst kein Gemüse!“

→ Viele Nährstoffe stecken auch in Obst, Hülsenfrüchten oder Getreide. Gemüse darf ein langfristiges Ziel sein, kein täglicher Kampf.

„Es bekommt nicht genug Protein.“

→ Nudeln, Brot, Haferflocken, Linsen, Tofu, Erdnussmus & Co. liefern oft mehr Protein, als man denkt.

„Was ist mit Eisen, Calcium, B12?“

→ Diese Nährstoffe lassen sich gezielt und unkompliziert abdecken (Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und Supplemente).

Tipps und Tricks für den Alltag

bekanntes „veganisieren“

Wenn dein Kind Nudeln liebt, perfekt !

Nudeln mit:

  • Linsenbolognese (kann auch püriert werden)
  • cremiger Cashew-Tomatensauce
  • Gemüsepesto

Verstecken ohne schlechtes Gewissen

  • geraspelte Zucchetti im Muffin
  • pürierte Kichererbsen im Brownie
  • Cashewmus in der Sauce

Das ist kein Betrug, sondern Alltagstauglich.

Form statt Inhalt

Manchmal entscheidet nicht was, sondern wie:

  • Sticks statt Scheiben
  • getrennte Komponente statt „alles gemischt“
  • gekocht statt roh

Wiederholung ohne Druck

Kinder brauchen oft 10–15 Kontakte mit einem Lebensmittel, bevor sie es akzeptieren.

Anschauen, anfassen, ablehnen, alles zählt als Kontakt.

Vorbild sein

Iss selbst abwechslungsreich und entspannt. Kommentare wie:
„Mmmh, das schmeckt heute richtig gut!“ wirken stärker als „Probier doch wenigstens ein kleines Stück…“

Nährstoffsicherheit schafft innere Ruhe

Wenn du weisst, dass:

  • B12 supplementiert wird
  • Eisen- und Calciumquellen regelmässig vorkommt

kannst du beim Rest locker bleiben. Denn Gelassenheit überträgt sich.

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Was du bitte nicht tun solltest

  • Druck, Zwang oder Belohnungssysteme
  • separate „Sonderessen“
  • jede Ablehnung persönlich nehmen

Essen sollte Spass machen und kein Zwang sein.

Ein picky essendes Kind braucht Sicherheit, Wiederholung und Vertrauen, keine perfekte Ernährung auf dem Papier. Eine pflanzliche vollwertige Ernährung kann dabei wunderbar funktionieren, wenn sie flexibel, liebevoll und realistisch gelebt wird.


unsere persönliche Erfahrung

Ganz ehrlich, ich selbst habe keine Erfahrung mit klassischen „Picky Eaters“. Meine Kinder waren von Anfang an sehr gute „Esser“ und lieben es zu essen.
Aber: Auch meine Kinder mögen nicht als. Und ganz sicher nicht jede Form von allem.

Und das ist, glaube ich, ziemlich normal.

Es gibt Tage, da wird Broccoli verschlungen und Tage, da ist genau derselbe Broccoli plötzlich „komisch“. Nudeln und Reis gehen fast immer. Linsen werden geliebt, solange sie nicht zu „matschig“ sind.

Und mal ehrlich, wir Erwachsene mögen auch nicht alles und in jeder Form. Wieso erwarten wir also von unseren Kinder, das sie alles mögen sollten.

Einer unserer Söhne mag keine Tomaten, wie die Mama ;-). Tomatensauce nur wenn sie aus einer Tomate besteht, keine Ahnung wie er sich das vorstellt.

Einmal fragte ich ihn: „Wieso magst du die Tomatensauce nur, wenn sie aus einer Tomate gemacht wurde ?“

Er antwortete mir: „Ich mag es nicht, wenn die Sauce so sauer ist und zu „tomatig“ schmeckt.“

Danach habe ich angefangen jeweils einen Schluck Apfelsaft, Apfelpüre oder einen Spritzer Dattelsirup dazu zugeben, um sie etwas „süsser“ zu machen und plötzlich wurde die Sauce gemocht.

Wenn man mit seinem Kind spricht und es fragt, was ihm daran nicht schmeckt, kann man in den meisten Fällen einen unkomplizierte Lösung für alles finden.

Was uns im Alltag hilft, ist vor allem Gelassenheit und ein paar einfache Tricks, die ich ganz ohne großen Plan irgendwann übernommen habe.

Wie zum Beispiel:

Die Tomatensauce „süsser“ machen und pürieren, ganz wichtig! Den Stückchen in der Sauce mag hier niemand, ausser Papa ;-).

Das Kichererbsen Curry würze ich nur leicht und wir Erwachsenen würzen nach. Als die Kinder noch klein waren, habe ich immer eine Portion ohne Currypulver zur Seite gestellt, so mussten wir nicht auf’s Curry (hier ein Lieblingsgericht) verzichten oder zwei Menüs kochen.

Man darf sich den Alltag leicht machen und trotzdem ausgewogen und gesund essen.

unsere Essensregeln, einfach, klar und ohne Stress

Wir haben bei uns nicht viele „Essensregeln“. Aber die paar, die wir haben, geben uns im Alltag viel Ruhe und werden von allen eingehalten, auch von Mama und Papa. Kinder lernen durch Vorleben und nicht durch Regeln, auch beim Essen.

Seit unsere Kinder ganz normal bei uns mitessen, koche ich immer nur ein Menü. Es gibt keine Extras, keine Alternativen und kein separates Kinderessen.

Gleichzeitig gibt es bei uns keine Verbote. Lebensmittel werden nicht eingeteilt in „gut“ oder „schlecht“.

Obst und Gemüse stehen immer zur Verfügung. Ganz selbstverständlich, ohne dass daraus ein Thema gemacht wird, sie dürfen sich immer daran bedienen.

Unsere Kinder müssen ausserdem nichts essen, was sie wirklich nicht mögen. Niemand wird gezwungen, den Teller leer zu machen oder etwas aufzuessen, nur weil es auf dem Tisch steht.

Sie probieren alles. Manchmal bleibt es dabei, manchmal wird daraus mehr. Beides ist okay. Ganz ohne Zwang.

Der erste Teller wird immer von mir geschöpft, mit allem, was es gibt. So lernen die Kinder, wie eine Mahlzeit aussehen kann und es entstehen keine Diskussionen.
Ab dem zweiten Teller dürfen sie sich dann selbst nehmen, was und wie viel sie möchten.

Diese Mischung aus Struktur und Freiheit funktioniert für uns sehr gut. Es gibt Orientierung, aber keinen Zwang. Und vor allem: Essen bleibt bei uns etwas Alltägliches und kein Machtkampf.

warum Mitentscheiden bei uns dazugehört

Viele unserer Gerichte sind festen Rezepte, bei denen ich entscheide was rein kommt.
Wir haben aber auch Gerichte, bei denen unsere Kinder selbst entscheiden dürfen, was drauf oder rein kommt.

Das liegt vor allem daran, dass sie es lieben, ihr Essen selbst zusammenzustellen. Und ich habe gemerkt: Wenn sie mitentscheiden dürfen, essen sie nicht nur entspannter, sondern oft auch vielfältiger.

Typische Beispiele bei uns sind:

  • Bowls mit Getreide, Gemüse und proteinhaltigen Topping
  • Wraps
  • Ofengemüse mit Dip’s
  • Pizza
  • Porridge mit Toppings

Alles steht auf dem Tisch, jeder nimmt sich das, was er mag und lässt weg, was gerade nicht passt. Ohne Kommentare, ohne Überredung.

Für mich ist das kein „Nachgeben“, sondern eine Form von Autonomie im Alltag. Die Kinder lernen, auf ihr eigenes Gefühl zu hören: Was mag ich heute? Worauf habe ich Lust? Was fühlt sich gut an?

Und ganz nebenbei passiert oft etwas Schönes:
Zutaten, die vielleicht abgelehnt würden, landen plötzlich freiwillig im Wrap oder in der Bowl. Einfach, weil sie selbst entschieden haben.

Diese Art zu kochen nimmt viel Druck raus. Essen wird zu etwas Spielerischem, Alltäglichem und Selbstverständlichem.
Nicht perfekt, nicht immer ausgewogen. Aber echt, familiennah und entspannt.


Am Ende geht es für uns nicht darum, alles „richtig“ zu machen.
Nicht jede Mahlzeit muss ausgewogen sein, nicht jedes Gemüse geliebt werden, nicht jeder Tag gleich laufen.

Kinder essen nicht linear. Sie haben Phasen, Vorlieben, Abneigungen, genau wie wir. Und das darf sein.

Je weniger Druck wir uns selbst machen, desto weniger Druck spüren auch unsere Kinder.
Essen darf leicht sein. Unperfekt. Wiederholend. Manchmal einseitig. Und trotzdem ist es genug.

Was für uns zählt, ist der Rahmen: ein liebevoll gedeckter Tisch, eine entspannte Stimmung, Vertrauen in unsere Kinder und in uns selbst. Alles andere darf wachsen. In kleinen Schritten, über Zeit.

Vielleicht ist genau das das Wichtigste:
Nicht perfekte Mahlzeiten, sondern ein gutes Gefühl rund ums Essen.

Du machst es nicht falsch, Du machst es auf eure Weise und das ist genau richtig !

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